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Magnet-Halterung am Camper: Reicht die Haftkraft allein? Fixpunkt, StVO und Checkliste

Autorenbild: Orkan S.
Orkan S.
vor 5 Tagen
6 Min. Lesezeit

Kurzantwort: Magnete allein sind für Sandbleche, Schaufeln und anderes Zubehör am fahrenden Fahrzeug keine verlässliche Sicherung. Die Haftkraft auf der Verpackung ist ein Idealwert, der unter Laborbedingungen gemessen wird. Im Fahrbetrieb sollte ein mechanischer Fixpunkt, zum Beispiel eine Verschraubung, die Last tragen. Magnete können die Lage ergänzend fixieren. Für die Ladungssicherung ist immer die Person am Steuer verantwortlich (§ 22 und § 23 StVO).

Stand: 25. Oktober 2026. Anlass ist der Bericht „Haftkraft trifft Haftung“ im Explorer-Magazin, Ausgabe 05/2026, Seiten 60 bis 65. Dieser Artikel ordnet ein, was der Bericht für Halterungen an Camper und Geländewagen bedeutet. Wir stellen selbst Seitenträger her und sind damit nicht neutral. Deshalb nennen wir unsere Quellen und trennen, was belegt ist, von dem, was unsere Einschätzung ist.

Wir bauen unsere Seitenträger von Anfang an mit verschraubten Fixpunkten, weil wir Halterungen, die allein auf Magneten sitzen, für den Fahrbetrieb nicht für ausreichend sicher halten. Dass der Explorer das Thema aufgegriffen hat, ordnen wir hier ein.

Was sagt der Explorer-Bericht zu Magnethalterungen?

Der Bericht beschäftigt sich mit Magneten, die Sandboards, Spaten, Äxte oder Solarpanels ohne Bohren an der Außenwand eines Campers halten. Die Kernaussagen, in unseren Worten zusammengefasst:

  • Rechtsgrundlage: Maßgeblich ist § 22 StVO. Ladung muss auch bei Vollbremsung und Ausweichmanöver sicher sein. Dazu kommen die anerkannten Regeln der Technik, vor allem DIN EN 12195 und die VDI-Richtlinie 2700.

  • Keine anerkannte Sicherung: Nach den im Bericht zitierten Aussagen der Polizei Nordrhein-Westfalen gelten Magnete nicht als offizielles Ladungssicherungsmittel. Es gebe keine Zertifikate für dynamische Fahrversuche. Eine Sicherung nur mit Magneten werde als unzulässig bemängelt.

  • Haftkraft als Idealwert: Die angegebene Zahl gilt unter definierten Bedingungen. Sie sagt nicht, welche Last ein Magnet während der Fahrt hält.

  • Hersteller und Händler: Mehrere im Bericht befragte Anbieter sehen Magnete nur für das stehende Fahrzeug vorgesehen. Ein Anbieter lehnt Magnetbefestigung während der Fahrt ab. Ein weiterer hat auf die Anfrage der Redaktion nicht geantwortet.

  • Mechanische Zusatzsicherung: Als Ausnahme werden Dachträgersysteme nach ISO/PAS 11154 genannt, weil sie zusätzlich mechanisch gesichert sind, etwa durch Seile, Verschraubungen oder zugelassene Karosserieklebstoffe.

  • Sicherungsseile: Ein Seil kann ein vollständiges Ablösen verhindern. Löst sich aber ein Magnet, kann der Gegenstand gegen die Karosserie schlagen und sie beschädigen.

  • Seitenwand: Das Landespolizeiamt Schleswig-Holstein hält Anbauten an der Seitenwand wegen des seitlichen Überstands im öffentlichen Verkehrsraum für eher kritisch. Montage auf dem Dach oder am Heck gelte als rechtlich sicherer.

Der Bericht ist keine Rechtsquelle. Er gibt Einschätzungen von Behörden, Verbänden und Herstellern wieder. Wie eine Kontrolle ausgeht, hängt vom Bundesland und vom Einzelfall ab.

Warum sagt die Haftkraft wenig über den Fahrbetrieb aus?

Die Haftkraft eines Magneten wird in der Regel auf einer sauberen, ebenen Stahlfläche gemessen, mit einem Zug senkrecht von der Fläche weg. Am fahrenden Camper ist fast nichts davon gegeben:

VW T5 mit Seitenträger und zwei Sandblechen an der Seitenwand
  • Richtung: Ein Sandboard an der Seitenwand zieht bei Vollbremsung nicht von der Wand weg, sondern wirkt überwiegend parallel zur Fläche. Der Magnet muss dann ein Verrutschen verhindern, nicht nur ein Abheben. Das ist eine andere Belastung als im Test.

  • Oberfläche: Lack, Folie, Staub, Schmutz und Unebenheiten vergrößern den Abstand zwischen Magnet und Blech. Schon ein kleiner Abstand senkt die Kraft deutlich.

  • Dynamik: Vibrationen, Schlaglöcher und Fahrbahnstöße erzeugen kurzzeitig Kräfte, die höher sind als das ruhende Gewicht.

  • Temperatur und Bauart: Hitze verringert die Leistung. Neodym-Magnete haften bei gleicher Größe stärker als Ferrit-Magnete.

Zum Vergleich: Bei der Berechnung von Ladungssicherung wird nach DIN EN 12195-1 üblicherweise mit Beschleunigungen von 0,8 g nach vorn und 0,5 g zur Seite und nach hinten gerechnet. Das sind Richtwerte, keine Prüfzahlen für Magnete.

Was verlangt die StVO von der Ladungssicherung?

Die Grundregeln zur Ladung (§ 22 und § 23 StVO, Breite, seitlicher Überstand, Bußgelder und TÜV) erklären wir ausführlich in unserem Artikel „Sandbleche seitlich am Camper: TÜV, StVO und Bußgelder“. Hier steht nur, was für Magnete zusätzlich gilt.

  • Kernregel: Ladung muss nach § 22 Abs. 1 StVO auch bei einer Vollbremsung oder einer plötzlichen Ausweichbewegung gesichert sein. Verantwortlich ist die Person am Steuer (§ 23 StVO).

  • Nicht gelistete Systeme: Laut dem im Bericht zitierten Vertreter der VDI-Gesellschaft werden Magnetsysteme in der Richtlinie VDI 2700 nicht erwähnt. Nicht gelistete Produkte dürfen eingesetzt werden, wenn sie mindestens so sicher sind wie die gelisteten. Wer das tut, haftet dafür und muss es im Streitfall belegen können.

Was ist ein Fixpunkt und warum zählt er?

Definition: Ein Fixpunkt ist eine mechanische Verbindung zwischen Halterung und Fahrzeug, zum Beispiel eine Verschraubung oder eine formschlüssige Klemmung. Sie trägt die Last unabhängig von Magneten.

Das Prinzip ist aus der Ladungssicherung bekannt: Eine Sicherung, die nur auf Reibung oder Haftung beruht, hängt von Oberfläche, Schmutz und Temperatur ab. Eine formschlüssige oder verschraubte Verbindung nicht.

So ist es bei unseren Seitenträgern: Jede Schiene ist oben an einem festen Punkt mit dem Fahrzeug verschraubt. Beim VW T5/T6 mit Kederschiene sitzt die Verschraubung in der Kederschiene, bei der Mercedes G-Klasse W460 bis W463 an der Regenrinne. Diese Verschraubung trägt die Last. Die Magnete unten fixieren die Schienen nur zusätzlich gegen Abheben und Flattern: zwei beim VW-Standardträger, vier beim Träger „Strong“, zwei beim G-Klasse-Träger „Professional“. Löst sich ein Magnet, bleibt der Träger an den Verschraubungen am Fahrzeug.

Knarre an der Verschraubung des Fixpunkts eines Seitenträgers an einem weißen VW-Bus
Seitenträger an der Regenrinne einer Mercedes G-Klasse mit Edelstahlschrauben befestigt

Was wir nicht behaupten: Wir bezeichnen unsere Träger nicht als geprüft, zertifiziert oder behördlich freigegeben. Ob eine Halterung bei einer Kontrolle akzeptiert wird, entscheidet die Kontrollbehörde im Einzelfall. Die Verantwortung für Beladung und Sicherung liegt bei der Person am Steuer.

Seitenwand, Dach oder Heck: Was ist die richtige Stelle?

Die Seitenwand hat den Vorteil, dass Sandbleche schnell erreichbar sind, wenn das Fahrzeug festsitzt. Sie hat den Nachteil, dass die Belastung seitlich wirkt und dass Ladung an der Seite schneller als Überstand bewertet werden kann. Unsere Träger tragen mit flach anliegenden Boards nur wenige Zentimeter auf. Ob das bei einer Kontrolle als unkritisch gilt, können wir nicht zusichern.

Wer jedes Risiko dieser Art vermeiden will, wählt Dach oder Heck mit einem geeigneten Träger. Dafür muss ein Dachträger oder Heckträger vorhanden sein, und die Boards sind im Notfall schlechter erreichbar. Einen Vergleich aller Möglichkeiten findest du in unserem Artikel „Sandbleche befestigen ohne Bohren: 5 Möglichkeiten im Vergleich“.

Checkliste: Worauf du bei einer Halterung achten solltest

  1. Gibt es einen mechanischen Fixpunkt? Eine Verschraubung oder Klemmung, die die Last trägt, nicht nur Magnete.

  2. Was passiert, wenn ein Magnet sich löst? Bleibt die Halterung am Fahrzeug, oder fällt sie ab oder schlägt an die Karosserie?

  3. Wie ist die Beladung befestigt? Bolzen oder Schloss durch das Board sind sicherer als Spanngurte allein.

  4. Wie weit steht die Ladung seitlich über? Flach anliegende Boards und wenige Zentimeter sind besser als abstehende Teile.

  5. Ist der Lack geschützt? Schutzfolien an den Auflagepunkten der Magnete und sauberes Ansetzen verhindern Mikrokratzer. Magnete nicht auf dem Lack verschieben.

  6. Sind die Herstellerangaben belegt? Steht dort, ob die Halterung für das stehende oder das fahrende Fahrzeug gedacht ist, und wie das geprüft wurde?

Häufige Fragen

Sind Magnethalterungen am Auto erlaubt?

Kein Gesetz verbietet Magnete ausdrücklich. Entscheidend ist § 22 StVO: Die Ladung muss auch bei Vollbremsung und Ausweichmanöver gesichert sein. Nach dem Explorer-Bericht bemängelt die Polizei Nordrhein-Westfalen Sicherungen, die nur auf Magneten beruhen, als unzulässig. Das Ergebnis einer Kontrolle hängt vom Bundesland und vom Einzelfall ab.

Reicht ein zusätzliches Sicherungsseil?

Ein Seil kann verhindern, dass sich eine Halterung ganz vom Fahrzeug löst. Der Explorer-Bericht weist darauf hin, dass der Gegenstand dann gegen die Karosserie schlagen kann. Unsere Einschätzung: Besser ist eine tragende mechanische Befestigung, die gar nicht erst vom Magneten abhängt.

Beschädigen Magnete den Lack?

Nach Angaben eines im Bericht zitierten Herstellers sammeln sich Staub und feiner Metallabrieb unter dem Magneten und wirken durch Vibrationen wie feines Schleifpapier. Gummierte Magnete schützen nicht dauerhaft. Hilfreich sind eine saubere Fläche, Lackschutzfolie und kein Verschieben des Magneten auf dem Lack.

Was passiert, wenn sich bei euren Trägern ein Magnet löst?

Der Träger bleibt an seinen Verschraubungen am Fahrzeug, weil die Verschraubung die Last trägt und die Magnete nur unten fixieren. Die Sichtkontrolle vor jeder Fahrt bleibt trotzdem Pflicht.

Ist das Rechtsberatung?

Nein. Dieser Artikel ist ein Praxisüberblick auf Basis des Explorer-Berichts und der Straßenverkehrs-Ordnung. Bei Zweifeln hilft ein Anruf bei der Prüforganisation oder der zuständigen Polizeidienststelle.

Fazit

Eine Magnet-Halterung ist für das stehende Fahrzeug praktisch. Für den Fahrbetrieb braucht eine Halterung nach unserer Einschätzung einen mechanischen Fixpunkt, der die Last trägt. Die Haftkraft auf der Verpackung ist dafür keine ausreichende Angabe. Rechtlich bleibt die Person am Steuer verantwortlich.

Unsere Seitenträger

Wir bauen und verkaufen Seitenträger mit verschraubtem Fixpunkt. Die Magnete fixieren den Träger nur gegen Abheben und Flattern. Welcher Träger passt, hängt vom Fahrzeug ab:

Alle Träger ohne Bohren findest du in der Kategorie Seitenträger. Auch bei unseren Trägern bleibt die Ladungssicherung Sache des Fahrers. Ob und wie ein Anbau an der Seitenwand zulässig ist, hängt vom Einzelfall ab, zum Beispiel vom seitlichen Überstand.

Quellen

  • Explorer, Ausgabe 05/2026, „Haftkraft trifft Haftung“, Rubrik Cockpit, Seiten 60 bis 65.

  • § 22 StVO (Ladung) und § 23 StVO (Sonstige Pflichten von Fahrzeugführenden), gesetze-im-internet.de.

  • Weitere Artikel von uns: „Sandbleche befestigen ohne Bohren: 5 Möglichkeiten im Vergleich“ und „Sandbleche seitlich am Camper: TÜV, StVO und Bußgelder“.

 
 
 

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